Kurz erklärt: Gefährdung durch Vibration
Vibrationen sind mechanische Schwingungen, die auf den menschlichen Körper übertragen werden und zu mittelbaren oder unmittelbaren Gefährdungen von Sicherheit und Gesundheit führen können. Auf Baustellen treten sie an Handmaschinen ebenso auf wie an Fahrzeugen und fahrbaren Arbeitsmaschinen.
Unterschieden werden Hand-Arm-Vibrationen und Ganzkörper-Vibrationen. Beide haben eigene Auslöse- und Expositionsgrenzwerte und erfordern eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung.
Der SiGeKo führt keine Messungen durch, berücksichtigt das Thema aber bei der Koordination – etwa bei der Abstimmung lärm- und vibrationsintensiver Arbeiten und der Planung wechselnder Tätigkeiten.
Hand-Arm- und Ganzkörper-Vibration
Hand-Arm-Vibrationen entstehen beim Arbeiten mit Handmaschinen wie Abbruchhämmern, Bohrhämmern, Bohrmaschinen, Winkelschleifern, Ketten- und Handkreissägen oder Bodenverdichtungsgeräten. Sie werden über Griffe, Gehäuse, Werkzeuge und Werkstücke übertragen.
Ganzkörper-Vibrationen gehen von Fahrzeugen oder fahrbaren Arbeitsmaschinen aus – z. B. Erdbaumaschinen, Baustellen-LKW im unebenen Gelände und Gabelstaplern. Sie werden über vibrierende Standflächen oder Sitze über Füße bzw. Gesäß in den Körper eingeleitet.
Gesundheitsschäden
Die Folgen unterscheiden sich je nach Art der Vibration:
- Hand-Arm: Knochen- und Gelenkschäden des Hand-Arm-Schulter-Systems
- Hand-Arm: Durchblutungs- und Nervenschäden der Finger und Hände (z. B. Weißfingerkrankheit)
- Hand-Arm: Karpaltunnelsyndrom (CTS)
- Ganzkörper: Schädigung von Wirbelsäule und Skelettsystem
Wovon die Vibrationsbelastung abhängt
- Frequenz der Schwingungen
- Stärke der Vibrationen
- Greif- und Andruckkräfte (bei Hand-Arm-Vibrationen)
- Dauer der Einwirkung
Auslösewerte und Expositionsgrenzwerte A(8)
Der Tages-Vibrationsexpositionswert A(8) ist der gemittelte Vibrationsexpositionswert bezogen auf eine Achtstundenschicht. Maßgeblich sind diese Werte:
| Vibrationsart | Auslösewert A(8) | Expositionsgrenzwert A(8) |
|---|---|---|
| Hand-Arm-Vibration | 2,5 m/s² | 5,0 m/s² |
| Ganzkörper-Vibration (horizontal) | 0,5 m/s² | 1,15 m/s² |
| Ganzkörper-Vibration (vertikal) | 0,5 m/s² | 0,8 m/s² |
Gefährdungsbeurteilung
Die Tagesexposition wird aus Einwirkungsdauer und Vibrationswerten ermittelt. Ist der Vibrationswert nicht bekannt, ist eine qualifizierte Messung durchzuführen.
Sind Messungen nicht möglich, kann als Vergleichskriterium der in der Betriebsanleitung des Herstellers genannte Vibrationswert herangezogen werden. Hilfreich ist außerdem der Belastungsrechner des IFA.
Schutzmaßnahmen
- alternative, vibrationsarme Arbeitsverfahren auswählen
- bei Neuanschaffungen vibrationsarme, schwingungsgedämpfte Maschinen bevorzugen
- Vibrationsbelastung durch kürzere Expositionszeiten und wechselnde Tätigkeiten mindern
- schwingungsgedämpfte Sitze verwenden und auf das Körpergewicht einstellen
- Ausbrüche, Schlaglöcher und Absätze in der Fahrbahn vermeiden
- ferngesteuerte Bodenverdichtungsgeräte einsetzen
- Handmaschinen und Werkzeuge regelmäßig warten; stumpfe oder verschlissene Werkzeuge vermeiden
- Hände warmhalten (kälteisolierende oder beheizbare Griffe, Handschuhe)
Stufenmodell: Auslösewert und Expositionsgrenzwert
An die Über- oder Erreichung der Werte knüpfen sich gestufte Pflichten:
| Schwelle erreicht/überschritten | Erforderliche Maßnahmen |
|---|---|
| Auslösewert A(8) | arbeitsmedizinische Angebotsvorsorge anbieten, Beschäftigte unterweisen, Programm mit technischen und organisatorischen Maßnahmen festlegen |
| Expositionsgrenzwert A(8) | Sofortmaßnahmen zur Senkung unter den Grenzwert, arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge veranlassen, Gesundheitsakte führen |
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist arbeitsmedizinische Vorsorge zu veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anzubieten (Angebotsvorsorge) – in Beratung mit dem Betriebsarzt.
Die Rolle des SiGeKo bei Vibration
Vibration ist eng mit Maschineneinsatz, Lärm und Bauablauf verknüpft. Der SiGeKo berücksichtigt diese Zusammenhänge in der Koordination – etwa wenn vibrationsintensive Arbeiten mit anderen Gewerken kollidieren oder sich Expositionen summieren.
Bei Begehungen achtet er auf den Zustand von Maschinen und Werkzeugen sowie auf organisatorische Maßnahmen wie wechselnde Tätigkeiten. Die Beurteilung und Umsetzung bleibt Aufgabe der ausführenden Unternehmen.
- vibrations- und lärmintensive Arbeiten im Bauablauf entzerren
- wechselnde Tätigkeiten und Expositionszeiten in der Planung berücksichtigen
- Zustand von Maschinen und Werkzeugen bei Begehungen beobachten
- Schnittstellen bei gemeinsam genutzten Geräten klären
- auffällige Belastungen dokumentieren und an die Verantwortlichen weitergeben
Häufige Fragen zur Vibration
Was ist der A(8)-Wert? Der über eine Achtstundenschicht gemittelte Vibrationsexpositionswert.
Welche Grenzwerte gelten? Hand-Arm: Auslösewert 2,5 und Grenzwert 5,0 m/s²; Ganzkörper: Auslösewert 0,5 und Grenzwert 1,15 m/s² (horizontal) bzw. 0,8 m/s² (vertikal).
Was passiert bei Überschreiten des Grenzwerts? Sofortmaßnahmen zur Senkung, arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge und Führen einer Gesundheitsakte.
Was macht der SiGeKo? Er bezieht Vibration in die Koordination ein; Messung, Beurteilung und Vorsorge organisieren die Arbeitgeber.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Wichtige Grundlagen zur Vibrationsbelastung auf Baustellen:
- Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV)
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
- TRLV Vibrationen (Technische Regeln zur LärmVibrationsArbSchV)
- VDI 2057 Blatt 1 (Ganzkörper-Schwingungen) und Blatt 2 (Hand-Arm-Schwingungen)
- Handbuch Hand-Arm-Vibration und Handbuch Ganzkörper-Vibrationen (BMAS)
- IFA-Belastungsrechner (Vibration)
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