Kurz erklärt: Betontrennmittel auf der Baustelle
Betontrennmittel verhindern, dass Frischbeton an Schalungen haftet. Verfügbar sind Mineralöle, Pflanzenöle, Emulsionen, Wachse und Pasten – mit unterschiedlicher Gefährdung je nach GISCODE.
Beim Sprühen entsteht Sprühnebel, der eingeatmet werden kann. Hautkontakt reizt und entzündet. Brennbare Varianten erfordern Abstand zu Zündquellen.
Der SiGeKo koordiniert Schnittstellen, wenn mehrere Gewerke in geschlossenen Schalbereichen arbeiten oder Gefahrstoffe benachbarte Tätigkeiten betreffen.
Gefährdungen
- Gesundheitsschäden durch Einatmen von Betontrennmitteln und Sprühnebel
- Hautreizungen und Entzündungen bei Kontakt
- Brand- und Explosionsgefahr bei brennbaren Produkten (GISCODE BTM 50–70)
Schutzmaßnahmen bei der Anwendung
Aus der Gefährdungsbeurteilung entsteht eine Betriebsanweisung. Auswahlhilfen und Entwürfe bietet WINGIS online (www.wingis-online.de) nach GISCODE.
- dünn und sparsam auftragen
- beim Sprühen Verlängerungsrohr verwenden – Sprühnebel reduzieren
- von Zündquellen fernhalten, offene Flammen vermeiden
- am Arbeitsplatz nur Bedarf für eine Schicht lagern
- Behälter geschlossen halten
- in Innenräumen lüften – Fenster und Türen öffnen
GISCODE-Übersicht Betontrennmittel
| GISCODE | Merkmal |
|---|---|
| BTM 01 | Emulsionen, kennzeichnungsfrei |
| BTM 05 | Emulsionen mit Konservierungsstoffen |
| BTM 10 | Kennzeichnungsfrei |
| BTM 15 | Emulsionen, Allergierisiko durch Konservierungsstoffe |
| BTM 20 | Dünnflüssig |
| BTM 30 | Entaromatisiert |
| BTM 40 | Aromatenhaltig |
| BTM 50 | Brennbar, entaromatisiert |
| BTM 60 | Brennbar, aromatenhaltig |
| BTM 70 | Leicht entzündlich |
Persönliche Schutzausrüstung
- lösemittelhaltige Produkte bei unzureichender Lüftung: Kombinationsfilter A2-P2
- lösemittelfreie Produkte beim Sprühen: Partikelfilter P2 oder FFP2
- fettfreie Hautschutzcreme auf unbedeckte Hautstellen
- Schutzbrille und geeigneter Körperschutz – z. B. Schürze
- Schutzhandschuhe aus Nitril oder Butylkautschuk
- bei Augenkontakt sofort mit viel Wasser spülen und Augenarzt aufsuchen
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Arbeitsmedizinische Vorsorge ist nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung zu veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anzubieten (Angebotsvorsorge). Beratung durch den Betriebsarzt.
Die Rolle des SiGeKo
Betontrennmittel betreffen vor allem Schalungsgewerke. Der SiGeKo achtet auf Schnittstellen in geschlossenen Bereichen und zu anderen Gefahrstoffarbeiten.
- Sprüharbeiten mit Betontrennmitteln in Gefährdungsbeurteilung und SiGe-Plan einbeziehen
- Lüftung und zeitliche Trennung von anderen Gewerken abstimmen
- auf Betriebsanweisungen und GISCODE-Auswahl achten
- bei brennbaren Produkten Brandgefahr mit Brandschutzmaßnahmen verzahnen
- Mängel (fehlende Lüftung, kein Atemschutz beim Sprühen) dokumentieren
Häufige Fragen zu Betontrennmitteln
Wie viel auftragen? Dünn und sparsam – mehr erhöht nur die Belastung ohne Nutzen.
Welcher Atemschutz? Lösemittelhaltig: A2-P2 bei schlechter Lüftung; lösemittelfrei beim Sprühen: P2/FFP2.
Was ist GISCODE? Einheitliche Einstufung für Betriebsanweisung und Schutzmaßnahmen – in WINGIS nachschlagen.
Dürfen brennbare Mittel in der Schalung liegen? Nur in begrenzter Menge für eine Schicht, Behälter geschlossen, weg von Zündquellen.
Was prüft der SiGeKo? Koordination und Schnittstellen – die Anwendung verantwortet das Schalungsunternehmen.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Wichtige Grundlagen für Betontrennmittel:
- Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
- DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention)
- DGUV Regel 112-190 (Atemschutzgeräte)
- DGUV Regel 112-195 (Schutzhandschuhe)
- DGUV Information 212-007 (Chemikalienschutzhandschuhe)
- BG Bau Baustein C 321 (Betontrennmittel)
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