Kurz erklärt: Gewindeschneidemaschinen auf der Baustelle
Gewindeschneidemaschinen schneiden Außengewinde in Rohre und Stangen – typisch in der Sanitär-, Heizungs- und Stahlbauinstallation. Der Gewindeschneidkopf und das Werkstück rotieren mit hoher Kraft.
Die zentrale Gefahr ist der Einzug: Kleidung, Schmuck, langes Haar oder – besonders kritisch – Handschuhe können sich um rotierende Teile wickeln und schwere Verletzungen verursachen.
Zusätzlich belasten Kühlschmierstoffe die Haut. Der SiGeKo achtet bei der Koordination auf Schnittstellen zu Gefahrstoff- und Hautschutzkonzepten sowie auf den ordnungsgemäßen Zustand der Arbeitsmittel.
Gefährdungen
- schwere Verletzungen durch rotierenden Gewindeschneidkopf oder rotierendes Werkstück
- Einzug von Kleidung, Schmuck, langem Haar – Handschuhe besonders gefährlich
- Haut- und Gesundheitsgefährdung durch Kühlschmierstoffe
- Stolper- und Schnittgefahr bei unsachgemäßer Rohrunterstützung oder fehlender Absperrung
Einzugsgefahr: die wichtigsten Regeln
Wie an Bohrmaschinen gilt: Nichts darf sich um rotierende Teile wickeln können. Die Regel „niemals Handschuhe tragen“ ist hier zwingend – Handschuhe werden eingezogen, die Hand folgt.
- niemals Handschuhe tragen
- eng anliegende Kleidung, Ärmel nach innen umschlagen
- Ringe, Ketten und Armbanduhren vor Arbeitsbeginn ablegen
- langes Haar schützen
Aufstellung und Wartung
- Maschine standsicher und sicher aufstellen
- Wartungsarbeiten nur bei stillstehender Maschine
- Schlüssel aus Spannvorrichtungen vor dem Einschalten entfernen
- lange Werkstücke mit geeigneter Rohrunterstützung abstützen (1)
Maschinen mit rotierendem Werkstück
Bei Maschinen, bei denen das Werkstück rotiert, gelten zusätzliche Anforderungen an die Bedienung und den Nachlauf.
- Fußschalter mit automatischer Rückstellung: Loslassen = AUS, Drücken = EIN (2)
- Dreistellungs-Fußschalter (AUS – EIN – NOT-AUS) bevorzugt
- Nachlauf darf höchstens eine Umdrehung betragen
- zum Stoppen nur NOT-AUS verwenden – kein weiterer Schalter außer NOT-AUS
Technische Schutzmaßnahmen
- Gewindeschneidkopf und alle beweglichen Antriebs- und Maschinenteile verkleiden (4)
- Richtungsschalter für Vorwärts-/Rückwärtslauf ohne Mittelstellung (AUS)
- wenn Schutzmaßnahmen nicht ausreichen: Gefahrenbereich absperren oder Werkstück mit Schutzhaube abdecken
- während der Rotation verboten: Aufhanfen mit Hanf sowie Aufschrauben von Fittings
Umgang mit Kühlschmierstoffen
Zum Kühlen und Schmieren möglichst Wasser oder nichtwassermischbare Kühlschmierstoffe (Bohr- oder Schneidöle) verwenden. Bei wassergemischten Emulsionen Nitritgehalt und pH-Wert mindestens wöchentlich prüfen.
- Hautkontakt vermeiden – Schutzbrille oder Gesichtsschutz tragen
- bei möglicher Durchnässung der Kleidung Schutzschürze verwenden
- Hautschutzplan erstellen und Hautschutzmittel bereitstellen
- nicht mehr verwendungsfähige Kühlschmierstoffe sammeln, kennzeichnen und als Sonderabfall entsorgen
Prüfung, Vorsorge und Jugendschutz
Gewindeschneidemaschinen sind Arbeitsmittel nach BetrSichV – Art, Umfang und Fristen der Prüfung ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Arbeitsmedizinische Vorsorge ist nach deren Ergebnis zu veranlassen oder anzubieten; Beratung durch den Betriebsarzt, besonders wegen Kühlschmierstoffen.
- regelmäßige Prüfung als Arbeitsmittel – elektrische Betriebsmittel nach DGUV Vorschrift 3
- Mängel an Schutzklappen, Fußschalter oder Verkleidung vor Weiterbetrieb beheben
| Alter | Regel |
|---|---|
| Unter 15 Jahre | Beschäftigung verboten |
| Ab 15 Jahre | Nur unter fachkundiger Aufsicht und wenn für die Berufsausbildung erforderlich |
Die Rolle des SiGeKo
Gewindeschneiden ist meist gewerkespezifisch. Der SiGeKo koordiniert aber Schnittstellen, wenn mehrere Firmen im selben Bereich arbeiten oder Kühlschmierstoffe und Lärm Dritte betreffen.
- Gewindeschneidarbeiten in Gefährdungsbeurteilung und SiGe-Plan einbeziehen, wenn Schnittstellen bestehen
- auf Prüfnachweise und augenfällige Mängel der Arbeitsmittel achten
- Schnittstelle zu Gefahrstoff- und Hautschutzkonzept herstellen
- Gefahrenbereich und Absperrungen bei unzureichendem Maschinenschutz prüfen
- Jugendschutz und Unterweisungsnachweise im Blick behalten
Häufige Fragen zu Gewindeschneidemaschinen
Warum keine Handschuhe? Sie werden vom rotierenden Werkstück oder Gewindeschneidkopf eingezogen – mit schweren Verletzungen.
Was ist mit dem Fußschalter? Er muss beim Loslassen automatisch abschalten; ein Dreistellungsschalter mit NOT-AUS ist ideal.
Darf ich während der Drehung Fittings aufschrauben? Nein – während der Rotation sind Aufhanfen und Aufschrauben verboten.
Wie oft Emulsion prüfen? Nitritgehalt und pH-Wert mindestens wöchentlich bei wassergemischten Kühlschmierstoffen.
Dürfen Auszubildende die Maschine bedienen? Ab 15 Jahren nur unter fachkundiger Aufsicht und wenn es für die Ausbildung nötig ist.
Was prüft der SiGeKo? Schnittstellen, Arbeitsmittelzustand und Gefahrstoffthemen – den Maschinenbetrieb verantwortet das jeweilige Unternehmen.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Wichtige Grundlagen für Gewindeschneidemaschinen:
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
- Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)
- DGUV Regel 100-500 (Betrieb von Arbeitsmitteln)
- DGUV Regel 109-003 (Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen)
- DGUV Information 209-022 (Hautschutz in metallbearbeitenden Betrieben)
- BG Bau Baustein B 271 (Gewindeschneidemaschinen)
SiGeKo, Arbeitssicherheit oder Baustellenüberwachung in Köln und NRW?
Wir klären in einer kurzen Erstabstimmung Pflicht, Leistungsumfang und die nächsten Schritte für Ihr Bauvorhaben.