SiGeKo nach Bautätigkeitca. 3 Min. LesezeitStand: 18.03.2026

Flachdach-Absturzsicherung auf Baustellen: Ballast, Montage & SiGeKo

Mobile Randsicherungen auf Flachdächern schützen vor Absturz – wenn Ballast, Abstände und Montage stimmen. Welche Systeme es gibt und welche Regeln bei Aufbau, Wind und Prüfung gelten.

Kurz erklärt: Absturzsicherung auf Flachdächern

Flachdach-Absturzsicherungssysteme sind mobile Seitenschutz- und Randsicherungssysteme, die auf oder an Flachdächern Absturzgefahren an Dachkanten abwehren. Sie werden vor allem bei Dacharbeiten, Wartung und Montage eingesetzt.

Es gibt ballastierte Systeme und Systeme mit Befestigung direkt am Bauwerk – etwa an der Attika. Die Wahl hängt von Dachbelastung, Neigung, Attikaform, Gebäudehöhe und Windlast ab. Entscheidend sind Herstellerangaben, korrekte Ballastierung und sichere Montage.

Der SiGeKo koordiniert den Einsatz im Absturzschutzkonzept und achtet bei Begehungen auf ordnungsgemäße Montage, Prüfnachweise und Windmaßnahmen.

Gefährdungen

  • Absturzunfälle durch fehlende Sicherungsmaßnahmen bei der Montage an der Absturzkante
  • Systemversagen durch Nichteinhaltung maximaler Abstände tragender Stützen
  • Versagen durch unzureichende oder falsche Ballastierung
  • Umstürzen oder Wegwehen bei hohen Windgeschwindigkeiten
  • Absturz in ungesicherte Bereiche ohne ausreichende Absperrung

Systemauswahl und Systemarten

Für den Einsatz von Absturzsicherungssystemen auf oder an Flachdächern ist eine Systemauswahl anhand örtlicher Gegebenheiten erforderlich:

Flachdach-Absturzsicherungssysteme: Systemwahl nach Dachbelastung, Neigung, Attika und Wind, ballastiert oder am Bauwerk, Montage mind. 2 m von Absturzkante, Absperrung ungesicherter Bereiche ab 2 m, Prüfung nach Montage und Verschieben.
Systemauswahl, Montage, Ballastierung und Prüfung im Überblick.
  • Dachbelastung: Tragfähigkeit der Dachhaut und Unterkonstruktion
  • Dachneigung: nur für zulässige Neigungsbereiche des Systems
  • Attikaform und -abmessungen: relevant für Befestigung am Bauwerk
  • maximale Gebäudehöhe und Windlastzone
SystemartMerkmal
BallastierungGewichte auf der Dachfläche, keine Dachdurchdringung
Befestigung am Bauwerkdirekte Verankerung z. B. an der Attika
Zwei Grundtypen von Flachdach-Absturzsicherungssystemen.

Vorbereitung: Anleitung und Unterweisung

  • Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers beachten und an der Baustelle bereithalten
  • Betriebsanweisungen erstellen und Beschäftigte unterweisen
  • Montage, Umbau und Demontage nur unter Aufsicht einer fachkundigen Person
  • längere durchgehende Abschnitte bevorzugen – möglichst an allen Dachkanten
  • häufiges Umsetzen des Systems vermeiden

Schutzmaßnahmen bei Montage und Betrieb

Die Montage an der Absturzkante ist besonders gefährlich. Systeme dürfen nur mit Absturzsicherung aufgebaut werden:

  • Aufstellen in einem Abstand von mindestens 2,00 m von der Absturzkante und Bewegung unter dem Schutz des Systems, oder
  • Arbeit unter Seilschutz an ausreichend tragfähigen Anschlageinrichtungen
  • ungesicherte Bereiche deutlich mit Kette, Seil, Gitter o. Ä. in einem Abstand von ≥ 2,00 m von der Absturzkante absperren
  • beim Anheben einzelner Stützen (z. B. für durchlaufende Dachbahnen) maximalen Abstand tragender Stützen nicht überschreiten – sonst zusätzliche Stützen verwenden
  • bei hohen Windgeschwindigkeiten Sicherheitsvorkehrungen treffen: Systeme umlegen oder ggf. demontieren

Prüfungen

Flachdach-Absturzsicherungssysteme müssen nach der Montage und nach dem Verschieben des Systems durch eine zur Prüfung befähigte Person geprüft werden.

Vor Arbeitsbeginn prüft eine fachkundige Person das System – insbesondere die Ballastierung. Ergebnisse und Mängel sind zu dokumentieren.

Die Rolle des SiGeKo

Flachdach-Absturzsicherung betrifft Dachdecker, Haustechnik, Photovoltaik und andere Gewerke mit Arbeiten am Dachrand. Der SiGeKo plant den Einsatz im Absturzschutzkonzept und koordiniert Schnittstellen zu PSA, Verkehrswegen und Witterung.

  • Einsatz von Flachdach-Randsystemen im SiGe-Plan/Absturzschutzkonzept berücksichtigen
  • Systemwahl und Lage der Randsicherung mit den ausführenden Firmen abstimmen
  • auf Prüfnachweise nach Montage und Verschieben achten
  • Windmaßnahmen (Umlegen, Demontage) in der Koordination berücksichtigen
  • Mängel (fehlende Ballastierung, zu große Stützabstände, ungesicherte Bereiche) dokumentieren und nachverfolgen

Häufige Fragen zur Flachdach-Absturzsicherung

Welche Systemarten gibt es? Ballastierte Systeme auf der Dachfläche oder Befestigung direkt am Bauwerk (z. B. Attika).

Wie wählt man das richtige System? Nach Dachbelastung, Neigung, Attika, Gebäudehöhe und Wind – gemäß Herstellerangaben.

Wie sicher montiert man an der Kante? Mindestens 2,00 m Abstand zur Kante und unter Schutz des Systems arbeiten – oder mit PSA/Seilschutz.

Wie weit müssen ungesicherte Bereiche abgesperrt werden? Mindestens 2,00 m von der Absturzkante.

Wann muss geprüft werden? Nach Montage, nach Verschieben und vor Arbeitsbeginn – besonders die Ballastierung.

Was macht der SiGeKo? Er koordiniert das Absturzschutzkonzept; Montage und Betrieb verantworten die Unternehmen.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Wichtige Grundlagen für Flachdach-Absturzsicherungssysteme:

  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • DGUV Vorschrift 38 (Bauarbeiten)
  • DGUV Regel 101-038 (Bauarbeiten)
  • DGUV Information 201-023 (Seitenschutz- und Randsicherungssysteme)
  • DIN EN 13374
  • BG Bau Baustein B 104 (Flachdach-Absturzsicherungssysteme)

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