Kurz erklärt: Absturzsicherung auf Flachdächern
Flachdach-Absturzsicherungssysteme sind mobile Seitenschutz- und Randsicherungssysteme, die auf oder an Flachdächern Absturzgefahren an Dachkanten abwehren. Sie werden vor allem bei Dacharbeiten, Wartung und Montage eingesetzt.
Es gibt ballastierte Systeme und Systeme mit Befestigung direkt am Bauwerk – etwa an der Attika. Die Wahl hängt von Dachbelastung, Neigung, Attikaform, Gebäudehöhe und Windlast ab. Entscheidend sind Herstellerangaben, korrekte Ballastierung und sichere Montage.
Der SiGeKo koordiniert den Einsatz im Absturzschutzkonzept und achtet bei Begehungen auf ordnungsgemäße Montage, Prüfnachweise und Windmaßnahmen.
Gefährdungen
- Absturzunfälle durch fehlende Sicherungsmaßnahmen bei der Montage an der Absturzkante
- Systemversagen durch Nichteinhaltung maximaler Abstände tragender Stützen
- Versagen durch unzureichende oder falsche Ballastierung
- Umstürzen oder Wegwehen bei hohen Windgeschwindigkeiten
- Absturz in ungesicherte Bereiche ohne ausreichende Absperrung
Systemauswahl und Systemarten
Für den Einsatz von Absturzsicherungssystemen auf oder an Flachdächern ist eine Systemauswahl anhand örtlicher Gegebenheiten erforderlich:
- Dachbelastung: Tragfähigkeit der Dachhaut und Unterkonstruktion
- Dachneigung: nur für zulässige Neigungsbereiche des Systems
- Attikaform und -abmessungen: relevant für Befestigung am Bauwerk
- maximale Gebäudehöhe und Windlastzone
| Systemart | Merkmal |
|---|---|
| Ballastierung | Gewichte auf der Dachfläche, keine Dachdurchdringung |
| Befestigung am Bauwerk | direkte Verankerung z. B. an der Attika |
Vorbereitung: Anleitung und Unterweisung
- Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers beachten und an der Baustelle bereithalten
- Betriebsanweisungen erstellen und Beschäftigte unterweisen
- Montage, Umbau und Demontage nur unter Aufsicht einer fachkundigen Person
- längere durchgehende Abschnitte bevorzugen – möglichst an allen Dachkanten
- häufiges Umsetzen des Systems vermeiden
Schutzmaßnahmen bei Montage und Betrieb
Die Montage an der Absturzkante ist besonders gefährlich. Systeme dürfen nur mit Absturzsicherung aufgebaut werden:
- Aufstellen in einem Abstand von mindestens 2,00 m von der Absturzkante und Bewegung unter dem Schutz des Systems, oder
- Arbeit unter Seilschutz an ausreichend tragfähigen Anschlageinrichtungen
- ungesicherte Bereiche deutlich mit Kette, Seil, Gitter o. Ä. in einem Abstand von ≥ 2,00 m von der Absturzkante absperren
- beim Anheben einzelner Stützen (z. B. für durchlaufende Dachbahnen) maximalen Abstand tragender Stützen nicht überschreiten – sonst zusätzliche Stützen verwenden
- bei hohen Windgeschwindigkeiten Sicherheitsvorkehrungen treffen: Systeme umlegen oder ggf. demontieren
Prüfungen
Flachdach-Absturzsicherungssysteme müssen nach der Montage und nach dem Verschieben des Systems durch eine zur Prüfung befähigte Person geprüft werden.
Vor Arbeitsbeginn prüft eine fachkundige Person das System – insbesondere die Ballastierung. Ergebnisse und Mängel sind zu dokumentieren.
Die Rolle des SiGeKo
Flachdach-Absturzsicherung betrifft Dachdecker, Haustechnik, Photovoltaik und andere Gewerke mit Arbeiten am Dachrand. Der SiGeKo plant den Einsatz im Absturzschutzkonzept und koordiniert Schnittstellen zu PSA, Verkehrswegen und Witterung.
- Einsatz von Flachdach-Randsystemen im SiGe-Plan/Absturzschutzkonzept berücksichtigen
- Systemwahl und Lage der Randsicherung mit den ausführenden Firmen abstimmen
- auf Prüfnachweise nach Montage und Verschieben achten
- Windmaßnahmen (Umlegen, Demontage) in der Koordination berücksichtigen
- Mängel (fehlende Ballastierung, zu große Stützabstände, ungesicherte Bereiche) dokumentieren und nachverfolgen
Häufige Fragen zur Flachdach-Absturzsicherung
Welche Systemarten gibt es? Ballastierte Systeme auf der Dachfläche oder Befestigung direkt am Bauwerk (z. B. Attika).
Wie wählt man das richtige System? Nach Dachbelastung, Neigung, Attika, Gebäudehöhe und Wind – gemäß Herstellerangaben.
Wie sicher montiert man an der Kante? Mindestens 2,00 m Abstand zur Kante und unter Schutz des Systems arbeiten – oder mit PSA/Seilschutz.
Wie weit müssen ungesicherte Bereiche abgesperrt werden? Mindestens 2,00 m von der Absturzkante.
Wann muss geprüft werden? Nach Montage, nach Verschieben und vor Arbeitsbeginn – besonders die Ballastierung.
Was macht der SiGeKo? Er koordiniert das Absturzschutzkonzept; Montage und Betrieb verantworten die Unternehmen.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Wichtige Grundlagen für Flachdach-Absturzsicherungssysteme:
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- DGUV Vorschrift 38 (Bauarbeiten)
- DGUV Regel 101-038 (Bauarbeiten)
- DGUV Information 201-023 (Seitenschutz- und Randsicherungssysteme)
- DIN EN 13374
- BG Bau Baustein B 104 (Flachdach-Absturzsicherungssysteme)
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