Kurz erklärt: Absturzsicherung beim Gerüstbau
Beim Auf-, Um- und Abbau von Gerüsten sind Beschäftigte besonders absturzgefährdet. Gerüstarbeiten dürfen nur unter Aufsicht einer befähigten Person und durch technisch geeignete Beschäftigte ausgeführt werden.
Technische Schutzmaßnahmen haben Vorrang vor personenbezogenen. Die Rangfolge lautet: technischer Absturzschutz (Seitenschutz, vorgezogener Seitenschutz, Montagesicherungsgeländer) vor Auffangeinrichtungen vor PSAgA.
Der SiGeKo koordiniert Gerüstmontagephasen im SiGe-Plan – besonders Montageanweisung, Absturzschutz und Schnittstellen zu parallelen Gewerken.
Gefährdungen
- Absturz beim Auf-, Um- und Abbau von Gerüsten
- Sturz über Außen-, Innen- und Stirnseiten
- Absturz durch fehlende oder unvollständige Montagesicherung
- Sturzfolgen durch ungesicherten Materialtransport zwischen Gerüstebenen
Allgemeines und Gefährdungsbeurteilung
Vor Gerüstarbeiten ist für das jeweilige Bauvorhaben eine Montageanweisung zu erstellen. Bei der Gefährdungsfeststellung ist zu klären, ob Beschäftigte über Kanten stürzen können.
- Absturzhöhe berücksichtigen
- horizontaler Abstand zu festen Bauteilen
- Art der Aufprallfläche
- konkrete Absturzschutzmaßnahmen in der Planung für Auf-, Um- und Abbau festlegen
Schutzmaßnahmen: Rangfolge beim Gerüstbau
- technische Schutzmaßnahmen vor personenbezogenen Schutzmaßnahmen
- Absturzschutzmaßnahmen in Montageanweisung für Auf-, Um- und Abbau definieren
| Stufe | Maßnahme | Hinweis |
|---|---|---|
| 1 | Technischer Absturzschutz | Seitenschutz, vorgezogener Seitenschutz, Montagesicherungsgeländer (MSG) |
| 2 | Auffangeinrichtungen | Fanggerüste, Schutznetze – wenn technischer Absturzschutz nicht möglich |
| 3 | PSAgA | nur wenn weder Stufe 1 noch 2 möglich – Rettungsmaßnahmen festlegen |
Verankerung und Kippsicherung
- Gerüst während der Montage durchgehend an tragfähige Fassadenteile verankern – zug- und druckfest
- Kippsicherung ab Montage des ersten Gerüstfeldes
Materialtransport beim Gerüstbau
Für den vertikalen Materialtransport beim Auf- und Abbau sind ergonomische Hilfsmittel wie Bauaufzüge oder Seilzugaufzüge zu nutzen.
- manueller vertikaler Transport nur bis zu drei Gerüstebenen – außer bei Einfamilienhäusern
- alternativ: Längenentwicklung bis 10 m und Gerüsthöhe bis 14 m
- bei manuellem vertikalem Transport: mindestens ein Beschäftigter auf jeder Gerüstebene
- Gerüstfeld für vertikalen manuellen Transport: mindestens Geländerholm und Zwischenholm – auch bei MSG
- horizontaler Transport: mindestens ein Geländerholm
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Arbeitsmedizinische Vorsorge ist nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung zu veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anzubieten (Angebotsvorsorge). Beratung durch den Betriebsarzt.
Die Rolle des SiGeKo
Gerüstmontage betrifft Absturzschutz, Verankerung und Materialtransport gleichzeitig. Der SiGeKo plant diese Themen frühzeitig im SiGe-Plan.
- Gerüstbau in Gefährdungsbeurteilung und SiGe-Plan einbeziehen
- Montageanweisung und Absturzschutz mit Gerüstbauer abstimmen
- auf MSG, Verankerung und Kippsicherung achten
- Schnittstellen zu parallelen Gewerken und Gerüstphasen koordinieren
- Mängel (fehlendes MSG, unzureichende Verankerung) dokumentieren
Häufige Fragen zur Absturzsicherung beim Gerüstbau
Wann ist Absturzschutz beim Gerüstbau besonders wichtig? Beim Auf-, Um- und Abbau – nicht nur bei der Nutzung des fertigen Gerüsts.
Was hat Vorrang? Technischer Absturzschutz (MSG, Seitenschutz), dann Auffang, dann PSAgA.
Was ist MSG? Montagesicherungsgeländer – technischer Absturzschutz während der Montage.
Wann darf manuell transportiert werden? Bis drei Ebenen oder bei Länge ≤ 10 m und Höhe ≤ 14 m – mit Beschäftigten auf jeder Ebene.
Wann muss verankert werden? Durchgehend während der Montage – Kippsicherung ab dem ersten Feld.
Was prüft der SiGeKo? Koordination und Absturzschutz – die Ausführung verantwortet der Gerüstbauer.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Wichtige Grundlagen für Gerüstbauarbeiten – Sicherung gegen Absturz beim Auf-, Um- und Abbau:
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- DGUV Vorschrift 1 (Grundsätze der Prävention)
- TRBS 1203 (Befähigte Personen)
- TRBS 2121 Teil 1 (Gefährdung durch Absturz bei der Verwendung von Gerüsten)
- DGUV Regel 112-198 (Benutzung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz)
- DGUV Regel 112-199 (Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlicher Absturzschutzausrüstung)
- DGUV-Baustein C 351 (Gerüstbauarbeiten: Sicherung gegen Absturz beim Auf-, Um- und Abbau)
Praxis: Höhenarbeit und Gerüst – SiGeKo-Koordination
Bei Themen wie „Gerüstbau auf Baustellen“ koordiniert der SiGeKo in Köln und NRW Schnittstellen zwischen Gewerken: Wann steht Kollektivschutz, wer nutzt Übergänge, wie sind Wege und Absturzrisiken im SiGe-Plan verankert? In der Praxis entstehen Mängel an Übergangsfeldern – offene Öffnungen vor montiertem Seitenschutz oder parallele Arbeiten unterhalb ohne Absperrung.
Praxisfall Sanierung: Mehrere Nachunternehmer teilten sich Zugänge über dasselbe Gerüst mit unterschiedlichen Einweisungsständen. Der SiGeKo dokumentierte Mängel mit Frist, aktualisierte Wegeführung im SiGe-Plan und veranlasste abgestimmte Einweisung vor dem nächsten Gewerk.
Typische Folgen ungeklärter Schnittstellen: Stillstand nach Behördenbesuch, Nachrüstung von Schutzmaßnahmen, Verzögerung des Folgegewerks. Der SiGeKo priorisiert und protokolliert – die fachgerechte Ausführung obliegt dem ausführenden Unternehmen.
Grenzen und Hinweis
Der SiGeKo koordiniert übergreifende Sicherheitsmaßnahmen zu „Gerüstbau auf Baustellen“ – er ersetzt nicht die Gefährdungsbeurteilung und Aufsicht des Gerüstbauers oder ausführenden Gewerks. Abgrenzung: Montageanweisung und Standsicherheit sind Gewerke-Verantwortung; SiGe-Plan und Begehung sind übergreifende Koordination nach RAB 30.
Kollektiver Absturzschutz hat Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung. Maßgeblich sind BaustellV, ASR A2.1 und die jeweiligen DGUV-Regeln – Einzelheiten sind gewerkspezifisch zu bewerten.
Hinweis: Dieser Ratgeber informiert allgemein und ersetzt keine Rechtsberatung. Projektbezogene Maßnahmen ergeben sich aus SiGe-Plan und Gefährdungsbeurteilung Ihres Vorhabens in Köln oder NRW.
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