Kurz erklärt: Schimmelpilze bei der Gebäudesanierung
Bei Abbruch-, Sanierungs-, Instandhaltungs- und Umbaumaßnahmen können Beschäftigte mit biologischen Arbeitsstoffen in Kontakt kommen – Schimmelpilze, Bakterien oder Fekalkeime. Schimmel kann die Atemwege sensibilisieren und allergische Reaktionen auslösen.
Pilze bilden bei ihrem Stoffwechsel Mykotoxine, die sich in Baumaterialien anreichern und bei staubintensiven Tätigkeiten freigesetzt werden. Sensibilisierende und toxische Wirkungen gehen von lebenden und toten Pilzen aus.
Der SiGeKo koordiniert Schimmelsanierungen im SiGe-Plan – besonders Absperrungen, Lüftung und Schnittstellen zu anderen Gewerken im Gebäude.
Gefährdungen
- Allergien und Sensibilisierung der Atemwege durch Schimmelsporen
- Mykotoxine im Staub bei staubintensiven Arbeiten – Meißeln, Fräsen ohne Absaugung
- begleitende biologische Arbeitsstoffe: Bakterien (Actinomyceten), Milben
- nach Rohrleckagen oder Überschwemmung: Fekalkeime und Parasiten
- Aufnahme über Atemwege, Haut/Schleimhäute und Mund
Allgemeines: Exposition und Dauer
Das Gefährdungsmaß ergeben erwartete Staub- und Sporenkonzentration sowie die Dauer der Tätigkeit – einschließlich Materialabtrag und anschließender Reinigung des Arbeitsbereichs. Daraus leitet sich die Gefährdungsklasse und die erforderlichen Schutzmaßnahmen ab.
Ermittlung der Gefährdungsklasse
Die zu erwartende Sporen- und Staubkonzentration bei den Tätigkeiten bestimmt die Klasse. Bei hoher Konzentration kommt die Dauer hinzu.
| Sporen-/Staubkonzentration | Dauer | Gefährdungsklasse |
|---|---|---|
| erhöht | — | Klasse 1 |
| hoch | weniger als 2 Stunden | Klasse 2a |
| hoch | mehr als 2 Stunden | Klasse 2b |
| sehr hoch | — | Klasse 3 |
Staubarme Arbeitsverfahren
- schimmelbefallene Flächen mit Industriesauger Staubklasse H absaugen oder vor Abtrag feucht abwischen
- Maschinen mit wirksamer Absaugung einsetzen
- bei manuellem Abtrag Sporenbindemittel verwenden – z. B. Haftgrund, Paste, Wasserglas – mit der Rolle auftragen, um Staub zu binden
- Arbeitsbereich nach Abschluss mit Staubklasse H saugen, glatte Flächen feucht wischen
Schutzmaßnahmen nach Gefährdungsklasse
- allgemein: Waschgelegenheit, Umkleide und Pausenräume; Arbeits- und Straßenkleidung getrennt lagern; nicht in kontaminierter Kleidung in Pausenräume
- Klasse 2a und höher: räumliche Trennung kontaminierter und unkontaminierter Bereiche (Schwarz-Weiß-Trennung)
- Klasse 2b und höher: Personalschleuse
- Klasse 2b und höher: technische Lüftung mit mindestens 15-fachem Luftwechsel pro Stunde
- Klasse 2a und höher: staubdichter Chemikalienschutzanzug Typ 5 (Einweg)
- Klasse 2a und 2b: Atemschutz mit P2-Filter
- Klasse 3: Vollmaske mit P3-Filter – Gebläsefiltergeräte empfohlen
- bei Nassarbeit: flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe
- bei Arbeiten über Kopf, Spritzern oder hoher Staubentwicklung: Augen- und Gesichtsschutz
- Tragedauer der Atemschutzgeräte beachten
- Betriebsanweisung erstellen und Beschäftigte unterweisen
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Arbeitsmedizinische Vorsorge ist nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung zu veranlassen (Pflichtvorsorge) oder anzubieten (Angebotsvorsorge). Beratung durch den Betriebsarzt.
Die Rolle des SiGeKo
Schimmelsanierungen betreffen oft mehrere Gewerke und Bereiche eines Gebäudes. Der SiGeKo plant Absperrungen, Lüftung und Kommunikation frühzeitig.
- Schimmelpilzarbeiten in Gefährdungsbeurteilung und SiGe-Plan einbeziehen
- Gefährdungsklasse und Schwarz-Weiß-Trennung mit Sanierungsfirma abstimmen
- Schnittstellen zu parallelen Gewerken in unkontaminierten Bereichen koordinieren
- auf staubarme Verfahren, Staubklasse H und Unterweisungsnachweise achten
- Mängel (fehlende Absaugung, keine Schleuse bei Klasse 2b) dokumentieren
Häufige Fragen zu Schimmelpilzen bei der Sanierung
Sind tote Schimmelsporen gefährlich? Ja – sensibilisierende und toxische Wirkungen gehen auch von totem Material aus.
Wie ermittle ich die Gefährdungsklasse? Über erwartete Staub-/Sporenkonzentration und Dauer der Tätigkeit inklusive Reinigung.
Welcher Sauger? Industriesauger Staubklasse H für schimmelbefallene Flächen und Reinigung.
Ab wann P3-Atemschutz? Bei Gefährdungsklasse 3 (sehr hohe Konzentration).
Was ist Schwarz-Weiß-Trennung? Getrennte Bereiche für kontaminierte und saubere Zonen – ab Klasse 2a.
Was prüft der SiGeKo? Koordination und Schnittstellen – die Sanierung verantwortet das beauftragte Unternehmen.
Rechtsgrundlagen und Quellen
Wichtige Grundlagen für Schimmelpilze bei der Gebäudesanierung:
- Biostoffverordnung (BioStoffV)
- Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
- TRBA 400 (Einstufung von Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen)
- TRBA 500 (Schimmelpilzarbeiten in Gebäuden)
- DGUV Information 201-028 (Gesundheitsgefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe bei Schimmelpilzbeseitigung)
- BG Bau Baustein C 323 (Schimmelpilze bei der Gebäudesanierung)
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