SiGeKo nach Bautätigkeitca. 3 Min. LesezeitStand: 24.03.2026

Gerüste für den Schornsteinbau auf Baustellen: Konsolgerüst, PSAgA & SiGeKo

Konsol- und Trägergerüste am Schornstein erfordern Nachweis, PSAgA und klare Lastgrenzen. Welche Anforderungen an Befestigung, Drahtseil und Prüfung gelten.

Kurz erklärt: Gerüste für den Schornsteinbau

Am Schornstein werden häufig Konsolgerüste oder Trägergerüste eingesetzt, wenn Standgerüste oder Kletterbühnen nicht möglich sind. Fehlende Sicherungsmaßnahmen bei Montage, unvollständiger Aufbau oder unsachgemäße Nutzung bergen Absturzgefahr.

Konsolgerüste dürfen nur mit technischer Begründung in der Gefährdungsbeurteilung und schriftlicher Dokumentation eingesetzt werden. Sie sind keine Fanggerüste. PSAgA ist bei Montage, Umbau, Demontage und Benutzung erforderlich.

Der SiGeKo koordiniert Gerüstphasen und Absturzsicherung im SiGe-Plan und prüft bei Begehungen Nachweise und PSAgA-Konzept.

Gefährdungen

  • Absturz bei fehlenden Sicherungsmaßnahmen während Montage, Umbau oder Demontage
  • Absturz bei unvollständigem Aufbau oder fehlender PSAgA bei Benutzung
  • Verletzungen durch herabfallende Gegenstände
  • Gefahren durch Witterungseinflüsse wie Wind oder Blitzschlag

Konsolgerüste: Voraussetzungen

  • Einsatz nur mit Begründung in der Gefährdungsbeurteilung – warum Standgerüst oder Kletterbühne nicht möglich ist
  • schriftliche Dokumentation der Begründung
  • Verwendbarkeitsnachweis für Konsolen (z. B. Statik oder Typenprüfung)
  • Betriebsanweisung erstellen und Beschäftigte unterweisen
  • nicht als Fanggerüst verwenden

Technische Anforderungen an Konsolgerüste

Begrenzungsseil aus Stahl mit mindestens 6 mm Durchmesser – dient nicht als Absturzsicherung. Bohlen mindestens 20 × 3 cm und gegen Abheben oder Herabfallen sichern. Jede Seilposition mit Holzkeilen spannen.

Gerüste Schornsteinbau: Konsolgerüst, Drahtseil mind. 6 mm, Bohlen 20x3 cm, Last 1,5 kN/m², PSAgA und Prüfung.
Konsolgerüst, Drahtseil, PSAgA, Trägergerüst und Prüfung im Überblick.
  • Schornsteinkonsolgerüste maximal 1,5 kN/m² belasten
  • Last je einzelner Konsole maximal 2,0 kN
  • Drahtseile an jeder Kreuzung mit mindestens fünf (10/12 mm) oder sechs Seilklemmen nach DIN EN 13411-5 verbinden
  • für quadratische oder rechteckige Schornsteine gelten besondere Regeln
Schornstein-Umfang (m)Drahtseil Mauerwerk (mm)Drahtseil Beton/Stahl (mm)Verkehrslast Konsole (kN)
bis 610106
bis 15101210,5
bis 25121415
bis 441416 / 1818
bis 631418 / 2018
bis 781620 / 2218
Zulässige Lasten und erforderliche Drahtseildurchmesser nach Schornstein-Umfang und Material.

Bohlen und Lastklassen

LastklasseGleichmäßig verteilte LastBohlenbreite (cm)Dicke / Spannweite (Beispiel)
10,75 kN/m²203,0 cm / 1,25 m
21,50 kN/m²204,0 cm / 2,00 m
32,00 kN/m²24–285,0 cm / 2,75 m
Mindestabmessungen von Gerüstbohlen nach Lastklasse (Auszug).

Trägergerüste

  • nur amtlich zugelassene oder statisch nachgewiesene Gerüstträger verwenden
  • Gerüstbohlen vollflächig auslegen
  • Materialtransportöffnungen mit Eintrichtern und Seitenschutz
  • nicht mit Materialansammlungen überlasten
  • Montage, Umbau und Demontage wie bei Konsolgerüsten: fachkundige Aufsicht, technisch geeignete Beschäftigte, PSAgA

PSAgA, Rettung und Montage

  • PSAgA bei Montage, Umbau, Demontage und Benutzung
  • Rettungskonzept vor PSAgA-Einsatz erstellen
  • Anschlagpunkte festlegen und PSAgA-Nutzung sicherstellen
  • Montage, Umbau und Demontage nur durch technisch geeignete Beschäftigte unter Aufsicht einer fachkundigen Person

Prüfungen und Vorsorge

Vor der ersten Benutzung nach Aufstellung ist eine Prüfung durch eine zur Prüfung befähigte Person erforderlich – mit Prüfprotokoll. Täglich vor Benutzung führt eine qualifizierte Person eine Sichtprüfung auf sichere Funktion durch.

Arbeitsmedizinische Vorsorge wird nach Gefährdungsbeurteilung mit dem Betriebsarzt abgestimmt.

Die Rolle des SiGeKo

Schornsteingerüste betreffen Absturzsicherung, PSAgA und Schnittstellen zum Schornsteinbau. Der SiGeKo plant Gerüstphasen im SiGe-Plan und koordiniert sie mit parallelen Gewerken.

  • Konsol- und Trägergerüst im SiGe-Plan berücksichtigen
  • GefB-Begründung und Verwendbarkeitsnachweis einfordern
  • PSAgA- und Rettungskonzept prüfen
  • Prüfprotokoll und tägliche Sichtprüfung bei Begehungen kontrollieren
  • Mängel (fehlende PSAgA, ungesicherte Bohlen, fehlender Nachweis) dokumentieren und nachverfolgen

Häufige Fragen zu Schornsteingerüsten

Wann darf ein Konsolgerüst eingesetzt werden? Nur mit Begründung in der Gefährdungsbeurteilung, wenn sicherere Alternativen nicht möglich sind.

Ist das Begrenzungsseil Absturzsicherung? Nein – mindestens 6 mm Stahlseil als Begrenzung, kein Ersatz für PSAgA.

Wie hoch darf die Last sein? Maximal 1,5 kN/m², je Konsole maximal 2,0 kN.

Braucht es PSAgA? Ja – bei Montage, Umbau, Demontage und Benutzung.

Wann muss geprüft werden? Abnahme vor Erstbenutzung, tägliche Sichtprüfung vor Benutzung.

Was macht der SiGeKo? Er koordiniert Planung und Schnittstellen; Aufbau und Prüfung verantwortet das Gerüstunternehmen.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Wichtige Grundlagen für Gerüste am Schornstein:

  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)
  • DGUV Regel 112-198 (Benutzung von PSAgA)
  • DGUV Regel 112-199 (Rettung aus Höhen und Tiefen mit PSAgA)
  • DGUV Information 201-055 (Feuerfeste, Turm- und Schornsteinbauarbeiten)
  • DIN EN 13411-5
  • BG Bau Baustein B 115 (Gerüste für den Schornsteinbau)

SiGeKo, Arbeitssicherheit oder Baustellenüberwachung in Köln und NRW?

Wir klären in einer kurzen Erstabstimmung Pflicht, Leistungsumfang und die nächsten Schritte für Ihr Bauvorhaben.

Direkt beraten lassen

Für konkrete Fragen zu SiGe-Plan, Vorankündigung oder Baustellenüberwachung: